Augenblick
Weblog von Jan Hagemann
an machen stellen lassen sich noch dezente hinweise auf die koloniale vergangenheit labuans entdecken. so steht etwa auf einer plakette in der nähe dieses „baumes“:
this tree was planted by the chinese community on 2nd of june 1953 to commemorate the coronation of her majesty queen elizabeth II.
mmhh, da hat sich die liz doch besser gehalten…
es ist wochenende und somit habe ich genügend zeit die insel zu erkunden. wegen des mangelnden fahrrads hatte mir ein kollege freundlicherweise sein auto ausgeliehen. damit konnte ich mich dann gleich mal dem hier geltenden linksverkehr stellen. innerhalb von drei stunden hatte ich dann alle durch das tourismuscenter empfohlenen sehenswürdigkeiten abgegrast:
den „surrender point“, wo allierte truppen die japanische bestzungsmacht 1945 zurück ins meer getrieben haben und man jetzt einen „peace park“ angelegt hat. der war ganz nett, ein wenig auf japanisch getrimmt, obwohl man wie bei allen parks den rasen so kurz hält, dass er praktisch schon gar nicht mehr vorhanden ist. dies hat zur folge, dass sich beim nächsten regen eine schlammpfütze bildet und das ganze langsam wegerodiert. schon an einigen stellen, wo hügel angegraben wurden, ist mir aufgefallen, dass die erde sehr leicht ins rutschen kommt. dies scheint ja auch ein problem bei vielen hastig entstandenen palmölplantagen auf borneo zu sein, wenn ich die zeitung richtig interpretiere, muss es gestern wieder ein dorf erwischt haben…
heute bin ich durch die stadt gelaufen und dabei auf den botanischen garten gestoßen. nicht gerade ein prachtwerk (aber wer den botanischen garten gießen gewöhnt ist, ist auch verwöhnt). heute auch nicht gerade eine oase der ruhe, da drei busse mit pubertierenden hier entleert wurden. für die scheine ich eine besondere attraktion gewesen zu sein, mehrere male musste ich mit ihnen für ein foto posieren, dann habe ich mir auch noch eins machen lassen.eins muss man den labuanern lassen: ein überaus fröhliches und freundliches, bunt gemischtes völkchen. von allen wird man winkend gegrüßt und oftmals auch noch in ein gespräch verwickelt: wie man heißt und wo man herkommt. wenn einem das daheim passieren würde, würde man irritiert die flucht ergreifen.
die verkehrssituation auf dieser insel: höchst interessant. das obige foto hat übrigens seltenheitswert: außerhalb der innenstadt sieht man praktisch niemanden laufen, wenn doch, dann auf der straße, denn bürgersteige gibt es nicht, abgesehen von den mit betonplatten bedeckten abwassergräben, die das monsunregenwasser wieder ins meer leiten. die insulaner schwören auf ihre autos und mopeds. rußfilter sind noch weit entfernt und so liegt immer ein feiner geruch von unverbranntem in der luft. obwohl man riesige jeeps und aufgemotzte sportwagen liebt, fährt man eher gemütlich und langsam, was meine deutschen kollegen meist schwer aufregt, die fahren nämlich wie die schweine.
ich muss noch einen nachlegen, ein hexenhäuschen gibt es jetzt auch schon, es blinkt. gerade hat man die theke hier in der hotellobby mit grünem samt behängt und mit goldenen kugeln bestückt. aus dem lautsprecher: stille nacht. schade, dass es draußen am pool kein w-lan gibt…
seit gestern steht dieser horrorschneemann im foyer des hotels. ich hatte mich bereits gefreut, den weihnachtstrubel nur kurz mitbekommen zu müssen. doch da habe ich mich in meinen malayischen gastgebern geirrt. auch sie mögen es, ihre räume weihnachtlich zu schmücken und entsprechende musik zu hören. der effekt des ganzen ist für einen mitteleuropäer recht irritierend. mal abgesehen von der plaste-und-elaste-ästhetik der dekoration (siehe schneemann) und den meist durch billige synthesizer verfremdeten melodien, die in wirklich jedem kaufhaus/hotel/restaurant vor sich hindüdeln, fehlt eben noch ein entscheidender aspekt, damit es echt wirkt: dreißig bis vierzig grad weniger.
liebe treue besucher meines blogs:
so schön das layout einer iweb-seite auch sein mag, so umständlich ist es jedoch ein blog auf reisen zu führen. denn dieses programm erfordert erstens einen mac, zweitens das programm selbst und drittens die möglichkeit eines ftp-uploads. und selbst wenn alles gegeben ist, kann der upload bei einer mittelmäßigen verbindung ewig dauern. ich habe mich also dazu entschlossen, das augenblick-blog nach wordpress.com umziehen zu lassen. auch wenn das layout dort stärker vorgegeben ist, so eröffnet es mir in summe jedoch mehr freiheiten.