Helau, Alaaf und Recht und Freiheit

Sonntagmorgen.

Im Küchenradio läuft der Deutschlandfunk mit seiner staatstragenden Sendereihe „Denk ich an Deutschland„.

Zum Abschluss des Beitrags erklingen die letzten Takte des „Lieds der Deutschen“ als betulich-geruhsame Violin-Interpretation.

Das Kind fragt: „Papa, ist heute Fasching?“

„Wieso?“

„Weil da so komische Musik im Radio kommt.“

Radioprogramm

Bisher fehlte mir eine schöne, kurze Vorschau über das kommende Radioprogramm, dadurch habe ich schon einige interessante Sendungen verpasst. Jetzt habe ich bei der Hörzu eine runterladbare Programmzeitschrift gefunden, die mir gut gefällt.

Podcast-Empfang

Eigentlich mag ich die in ihrem Funktions- und Konfigurationsumfang meist sehr beschnitteten Apps für Mobiltelefone und Tablets nicht besonders. Aber hier mach ich eine Ausnahme: Toby Baier (u.a. Einschlafen-Podcast) und Daniel Oeh (AntennaPod) haben eine einfache Podcast-App für eine einzelne Station entworfen. Die Suche nach dem Feed entfällt, flugs ist eine Folge runtergeladen, das Zuhören und Shownotes-Lesen steht im Mittelpunkt. Das ist besonders für Podcast-Einsteiger eine bequeme Variante. Aber selbst als fortgeschrittener Hörer mag ich die Reduktion aufs Wesentliche und wertschätzende Position, die das Podcast-Logo dadurch auf dem Bildschirm einnimmt. Einige Sender funken bereits darüber.

Grünstreifen

Bisher von mir unbemerkt wurde die Ausrichtung von DRadio Wissen im Frühjahr grundlegend verändert. Vorher konnte ich mit dem Sender nicht so viel anfangen. Im Grunde war er mir auch nicht wirklich präsent, da er nicht über UKW empfangbar ist und auf dem Computer andere Streams und Podcasts Schlange stehen.

Doch das neue Küchenradio kann DAB. Und als ich damit kürzlich durch die Sender scrollte blieb ich bei DRadio Wissen hängen, weil dort gute Musik lief. Und das scheint auch eine der wesentlichen Änderungen zu sein: es läuft viel mehr Musik, die ich meist als sehr angenehm empfinde und die mich stark an Detektor FM erinnert. Kann man also gut hören, selbst wenn nach meinem Geschmack die neue „jugendliche“ Ansprache stellenweise etwas übergriffig daherkommt.

Bild: Radio von Simon Child (cc-by)

top ten

„unplugged, des is doch in de charts und in de top ten“
„ei ja, dann kauf ich’s ebe da.“

badesalz – diwodaso

jeden sonntag um viertel vor zehn freue ich mich über den musikalischen realitätsabgleich auf deutschlandradio kultur: dann läuft nämlich die top-ten-kolumne, die über die aktuellen deutschen albumcharts berichtet (und dabei völlig subjektiv kommentiert).

was da so zusammengekauft wird ist nicht selten geschmacklich fraglich, manchmal auch verstörend, gelegentlich aber durchaus hörenswert.

hätte ich gerne als podcast, habe aber nur die version im flash-player gefunden, da aber auch leider nicht tagesaktuell. wahrscheinlich dank gema…

radio-rudimente

wenn ich ein radio einschalte bleibe ich eigentlich immer bei den „labersendern“ wie dem deutschlandfunk hängen. ich mag die meist unaufgeregte, zugegeben leicht elitäre art, das behäbige und staatstragende.

faszinierend finde ich, wenn ich in diesem alten medium funk über relikte der bonner republik stolpere: jeden sonntagmittag um zwölf überträgt deutschlandradio kultur zum beispiel die schläge der freiheitsglocke im schöneberger rathaus, verbunden mit dem dazugehörigen freiheitsgelöbnis.

bereits am sonntagvormittag versprüht das sonntagsrätsel den biederen charme der sechizger jahre: lösungen können per brief eingeschickt werden.

ich war kürzlich auch mal um mitternacht mit dem auto unterwegs. da vernahm ich ein weiteres überbleibsel aus der zeit des sendeschlusses: die deutsche und die europäische hymne „zum tagesausklang“. unerwartet, aber auch irgendwie passend.

Briefmarke Freiheitsglocke [pd]

rundfunk

protestmainzel: gießen, frankfurter straße

eine gebühr wurde durch einen beitrag abgelöst. ausschließliche computernutzer und radiohörer müssen genauso viel blechen wie fernsehfreunde. selbst der nichtkonsument muss zahlen. und die qualität, die man im gegenzug bekommt? die einfache zugänglichkeit auf dem computer? die langfristige auffindbarkeit und verfügbarkeit? ach lassen wir das….

immerhin bieten die öffnentlich-rechtlichen sender wenigstens ein paar lichtblicke und positive ansätze:

und, welche öffentlich-rechtlichen „medien der zukunft“ nutzt ihr noch und wie?