Fridays For Future

Die Spacken von CDU, CSU, FDP, AfD et al. hyperventilierend angesichts der Schülerproteste: „Aber die Schulpflicht!“

Bob Dylan hingegen:

„…Come mothers and fathers
Throughout the land
And don’t criticize
What you can’t understand
Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is rapidly agin’
Please get out of the new one if you can’t lend your hand
For the times they are a-changin’…“

Kinderwarnung – Zeichen 136 (1970) [pd]

Bescheuert

Ich muss mal für die Nachwelt an dieser Stelle festhalten, welch rückständige Verhaltensweisen derzeit in Deutschland an den Tag gelegt werden, wenn es um die Emissionen von Autos mit Verbrennungsmotor geht. Ich vermute, dass man sich in ein paar Jahren diesbezüglich an den Kopf greifen wird, aber vielleicht ist es für künftige Generationen interessant zu wissen, wann sich die deutsche Politik bzw. Industrie bzw. Gesellschaft  selbst von einer zukunftsfähigen Entwicklung abgehängt hat.

Der Kontext: Im Jahr 2013 wurde bekannt, dass Autohersteller insbesondere bei Dieselmotoren die Einrichtungen zur Entfernung von Stickoxiden manipuliert bzw. abschaltbar gestaltet haben, der sogenannte „Dieselskandal„. In dessen Folge kam es zu meist halbherzigen Lösungsansätzen und vereinzelten juristischen Konsequenzen, wobei ohne Frage die bedeutsame deutsche Automobilindustrie politisch protegiert wurde. Zwar wurde 2018 die Möglichkeit der Musterfeststellungsklage geschaffen, mit der Verbraucher in einfacher Weise zivilrechtliche Ansprüche gegenüber den betrügerischen Autokonzernen geltend machen können, jedoch musste der Vollzug bestehender Immissionsschutzregeln verwaltungsrechtlich erst durch Klagen von Verbraucherschutzverbänden erzwungen werden, z.B. in Form von Fahrverboten für bestimmte Schadstoffklassen in Innenstädten.

Neben Stickoxiden ist auch noch der von Motoren emittierte Feinstaub und natürlich das zur Klimaerwärmung beitragende Kohlendioxid Teil der Debatte. Die Weltgemeinschaft hat sich auf der UN-Klimakonferenz von Paris 2015 die Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen zum Ziel gesetzt. Wohl wissend, dass der Verkehrssektor nur zu einem Teil dieser Schadstoffemissionen beiträgt (viel Feinstaub durch natürliche Quellen und Holzfeuerungen, viel CO2 durch Wärmeerzeugung und Industrieproduktion), so wäre es doch eine Frage der ökologischen wie ökonomischen Vernunft auch Mobilitätskonzepte maßgeblich in die gemeinsamen Bestrebungen mit einzubeziehen, oder?

Naja und nun kommen hier in letzter Zeit Statements rein bzw. es passieren Dinge, die mich irgendwo zwischen Sorge und Ärger zurücklassen und mich an der Zurechnungsfähigkeit der beteiligten Personen sowie an der vermeintlichen Technologieführerschaft Deutschlands zweifeln lassen. Eine völlig subjektive und vermutlich nicht vollständige Auflistung:

  • Einzelne Autohersteller bieten als freiwillige Maßnahme Umtauschprämien für den Erwerb von neuen Fahrzeugen mit verbesserten Motoren an. So weit, so gut, würde ich als Hersteller auch machen. Dass jedoch das Kraftfahrbundesamt an betroffene Autobesitzer entsprechende Hinweisbriefe mit den Kontaktdaten der Vertriebsstellen ausgewählter, ausschließlich deutscher Unternehmen verschickt, ist staatlich organisierte Werbung und ein starkes Stück!
  • Die großen deutschen Autohersteller scheinen es nicht hinzubekommen, zukunftsfähige Autos, z.B. mit Elektro– oder Hybridantrieb nicht nur als vereinzelte, teure Leuchtturmprojekte, sondern großflächig an den Markt zu bringen. Mir persönlich ist eigentlich nur der BMW i3 öfters mal aufgefallen, manchmal ein Mercedes mit nem E auf dem Nummernschild, aber praktisch kein E-Golf. Deutlich weiter und präsenter sind z.B. Toyota, Renault, Nissan &Tesla (siehe auch die Positivliste des VCD für etwas mehr Objektivität). Und in Norwegen und China scheint es ja ziemlich abzugehen… Positiv erwähnen sollte ich jedoch den Streetscooter, der durch effiziente Produktionsmethoden wohl vergleichsweise preiswert und durch die Post inzwischen in den Städten gut vertreten ist. Man hinkt also eher der Entwicklung der Elektromobilität hinterher.
  • Die Deutschen Umwelthilfe ist der Verein, der derzeit maßgeblich vor Gerichten gegen Kommunen Maßnahmen wie Fahrverbote erstreitet. Weil das manchen Leuten stinkt, haben sie eine Petition gestartet, die das zuständige Finanzamt auffordert, dem Verein den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen. Und selbstverständlich springen die konservativen und wirtschaftsfreundlichen Parteien auf diesen Zug.
  • Man macht sich oft über die kuriose und emotional geprägte Verhältnis von US-Bürgern zu ihren Schusswaffen lustig, analog dazu wird in Deutschland die unbegrenzte Geschwindigkeit auf Autobahnen verteidigt. Deutschland ist das einzige europäische Land ohne eine allgemeine zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen. Nun hat jüngst eine ExpertInnen-Kommission der Bundesregierung angedeutet, dass ein Tempolimit zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen kann. Prompt sprach der Verkehrsminister Andreas „Doktor“ Scheuer (CSU) der Kommission den „Menschenverstand“ ab und lies die Beratungen aussetzen.
  • Eine Gruppe von LungenärztInnen bestritt die wissenschaftliche Kausalität von Stickoxid-Immissionen und Lungenerkrankungen und kritisierte den aktuell gültigen WHO-Grenzwert von 40 µg/m3 im Jahresmittel. Selbstverständlich springen die üblichen Verdächtigen bei und stellen den bisherigen wissenschaftlichen Konsens in Frage.
  • Wenn ich das in zehn Jahren wieder lese: der Sprit kostet gerade 1,20-1,30 € für Diesel und 1,30 -1,40€ für Benzin. Die Bahn zahlt übrigens weiterhin Ökosteuer, der Flugverkehr ist davon befreit.
  • Selbst die Bullen sind nun auf unserer Seite 😉

Elektroautofoto: Camille Jenatzy auf „La Jamain Contente“(1899) [pd]

Unbek. Mädchen 1944

Dieser Grabstein stimmt mich richtig traurig.

Jeder Besorgte, Nationalkonservative, Verschwörungstheoretiker, Provokateur, Nazi oder Faschist müsste doch angesichts dieser Grabstätte die möglichen Konsequenzen seiner schädlichen Ansichten und Handlungen überdenken, sofern er noch über ein wenig Herzensbildung verfügt.

(Friedhof Kleinlinden)

Ende Gelände!

Aus aktuellem Anlass der Proteste rund um sowie im Braunkohle-Abbaugebiet: Ich war im Jahr 2005 mal unten im Hambacher Loch.

Man bekommt da einen guten Eindruck was Raubbau an der Natur bedeutet und wie man sich das Land Mordor vorzustellen hat. Weitläufig, kahl, tot. Jegliche Argumentation, dass Windkraftanlagen die Kulturlandschaft verschandelten, wird hier in beeindruckender Weise relativiert.

Inzwischen lässt sich unser Energieversorgung in anderer, verantwortungsvollerer Art und Weise sicherstellen. Arbeitsplätze wird es auch weiterhin genug geben, sowohl in der langwierigen Renaturierung der Flächen, als auch in einer nachhaltigen Energiewirtschaft.

Der unvermeidliche DSGVO/GDPR-Post

Eigentlich ist ja alles schon gesagt worden.

Bemerkenswert finde ich, wie sehr die Datenschutzgrundverordnung in letzter Zeit Gegenstand der Berichterstattung ist, und zwar in allen von mir konsumierten Medien, egal ob gedruckt, im Radio, Podcast, Twitter oder Blog. Da waren viele kluge, lustige, hilfreiche aber eben auch panische Rezensionen dabei. Ich kann sie unmöglich alle hier aufzählen.

Neben dem Blog betriftt die DSGVO mich auch in meinem beruflichen Kontext und als Vereinsvorstand persönlich. Ich wüsste nicht, wann zuletzt die Änderung einer Rechtsnorm so umfassend präsent war, bzw. wann nahezu jede Person unmittelbare Konsequenzen erfahren hat (und sei es nur, dass man automatisch nervige Newsletter los wird, weil man das opt-in verweigert). Außerdem: wann waren zuletzt Erzeugnisse europäischer Politik für den Endverbraucher derartig erfahrbar und dies grundsätzlich positiv, außer bei der Abschaffung der Roaming-Gebühren vielleicht?

Ich finde das Ding grundsätzlich okay, die Blüten, die sie treibt bisschen nervig. Alle haben nun ähnlich klingende, ellenlange Datenschutzerklärungen auf ihren Seiten, die einzig und allein den Verantwortlichen den Arsch retten sollen, aber nicht informativ sind. Ein dümmlicher Punkt zum Beispiel: Warum soll eine Datenschutzerklärung wesentliche Punkte des Verordnungstextes wiedergeben? Bei allen stehen nun Litaneien an Begriffsbestimmungen und die Aufzählung aller Betroffenenrechte, die eins-zu-eins der Verordnung entstammen. Diese Rechte entstehen, weil das Europäische Parlament die Verordnung erlassen hat, nicht weil ich sie aufzähle. Sie bestünden auch wenn ich sie nicht erwähnte, das spricht sich doch rum….

Ich bin mal sehr gespannt, was ab heute so alles folgt, im Hinblick auf Verkackungen, Klagen, Gerichtsurteile, Justierungen am Verordnungstext,…

Jedenfalls, letztlich gilt wohl auch hier: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Vergleichbare Rechtsnormen bestanden, wenn auch nicht europaweit einheitlich, bereits bisher. Man kann wohl getrost entspannt bleiben, dicke Bußgelder sind in der Breite wohl nicht zu befürchten und Johnny fasst heute mit der besten Anhalterweisheit zusammen: Don’t panic!

Was ich hier also tat:

[Symbolbild: kürzlich gesichteter Hinweis auf Schutzeinrichtung einer Pferdekoppel. Ich mag die lautmalerische Anschaulichkeit des niederländischen Begriffs und muss bei der misszuverstehenden Aussprache des französischen immer leicht schmunzeln]

Bundestagswahl 2017

„…Have no fear for atomic energy,
cause none of them can stop the time…“

Bob Marley, Redemption Song

 

Zwei „persönliche“ Wahlergebnisse: In meiner kommunalen Filterblase der Gießener Innenstadt sind die vier Volksparteien praktisch gleichauf.

Und: Der alte Jossgrund! Ist zwar immer noch ein „schwarzes Loch“, aber unterdurchschnittlich dumpfdeutsch. In den umliegenden Gemeinden holen die Knetbirnen fünfzehn bis zwanzig Prozent, im Jossgrund kommt die AfD „nur“ auf knapp zehn Prozent. Es gibt dort wohl mehr Menschen mit guter Herzensbildung als anderswo!