Brompton-Review

Ein Faltrad der Marke Brompton ist nun seit einem knappen Dreivierteljahr mein praktischer Begleiter auf dem Arbeitsweg und dazu ein sehr lieb gewonner.

Gut tausend Kilometer sind schätzungsweise bisher zusammen gekommen, gerne möchte ich euch meine Betriebserfahrung mitteilen.

Treten

Das Rad hat eine 2-Gang-Kettenschaltung. Zunächst war ich unsicher, ob ich damit klarkomme: Die Entfaltung liegt bei 4,47 / 5,96 m. Das erschien mir etwas zu viel fürs Bergauffahren und etwas zu wenig fürs Beschleunigen bergab. Die 3-und 6-Gang-Optionen enthalten jedoch eine Nabenschaltung. Diese wollte ich vermeiden, da sie bromtonmäßig teuer und einiges schwerer sind. Außerdem habe ich mal eine durch zu festes Treten kaputtgefahren, also Mut zum Weniger.

Und ich muss sagen, dass mir das Fahren mit zwei Gängen gut gefällt und ich bei kräftigen Treten auch flott über den Berg komme. Auf gerader Strecke würde ich gerne noch einen Zahn zulegegen können, aber – passt schon! – das Ding ist ein Pendler, kein Renner.

Eine längere Strecke war notgedrungen auch schon mal angesagt: Ein abendlicher Schienenersatzverkehr von Friedberg nach Gießen, gut 34 km bei einem 22er Schnitt. Das ist möglich, aber grenzwertig.

Lenken

Ein Klapprad fährt auch etwas klappriger, das merkt man. Der Schwerpunkt liegt weiter unten und vor allem in Kurvenlage schwenken Lenker und Sattel stärker aus. Das hat man aber geschwind raus und nach einer Weile klappt auch das Freihandfahren.

Vorsicht bei:

  • Schlaglöchern und Drempels: Gewicht voll auf die Pedale stellen, Mit denBeinen abfedern, Sattelstange entlasten – sie verbiegt sich sonst :(
  • Kurven: Tretlager und Pedale liegen etwas tiefer als bei großen Rädern. Das merkt man, wenn man in der Kurve eintritt oder das falsche Bein unten hat – und mit dem Pedal auf dem Asphalt schleift
  • Bordsteine: Nicht voll Stoff druff, langsam machen, lieber hochheben
  • Schotter: Kleines Räder mögen keinen (zurück-)weichen(-den) Untergrund, sie verkanten sich schneller und der Fahrer legt sich hin – so geschehen beim Durchquerungsversuch einer Baustelle

Schrauben

Zwei wesentliche Adaptionen habe ich im Sommer vorgenommen:

  • Tausch der popeligen Schaumstoffgriffe gegen griffige Ergon GP1 (abgesägt um zwo Zentimeter, damit sie auf den schmalen Lenker passen)
  • Einbau einer Teleskop-Sattelstütze, nicht nur weil die normale Sattelstütze etwas angebogen war (siehe > Schlaglöcher), sondern auch weil ein Tick Höhe zu einer ordentlichen Sitzposition fehlte

Falten

Der Nutzwert des Faltrades ist für mich als Bahnpendler enorm. Ich habe praktisch nur noch dieses Rad mit im Zug dabei. Gelegentlich, wenn ich sehr früh oder spät unterwegs bin und mit leeren Zügen rechne, schnapp ich mir ein großes Rad, aber überwiegend steht das Brompton im Abteil.

Die wesentlichen Vorteile sind das entspannte Sich-Überall-Hinsetzen-Können im Zug sowie die Freiheit neue Wege auszuprobieren und dabei spontan auch auf U-Bahn oder Bus setzen zu können.

Das Gewicht des recht einfach ausgestatten Modells ist mit gut elf Kilo noch angenehm leicht, wobei sich das Tragen vom U-Bahn-Steig hoch zur Regionalbahn durchaus bemerkbar macht. Viel mehr dürfte es nicht sein.

Weitere, nützliche Anwendung: das Abholen/Bringen eines Carsharing-/Mietfahrzeugs hat sich durch das Brompton enorm beschleunigt.

 

Dann mal wieder draufgeschwungen! Klingelingeling…