Kinderbuchregal

War innerhalb weniger Minuten gesägt und zusammengeschraubt. Dann jedoch einige Stunden gebraucht im Kampf gegen die marode Bausubstanz, die sich dem üblichen Setzen von Dübeln durch großflächiges Ausbrechen des sandigen Putzes widersetzt und sich schlussendlich nur durch Einkleben der Dübel mit Gips bezwingen lässt.

drei weise

Myrrhe

Die drei Weise aus Morjenland

Im Janewar, im Janewar
da kame die Weise aus Morjenland,
der Kasper, Melcher un Balthasar,
die heilig drei König sogenannt.

Es hat se gefiehrt e scheener Stern,
dann Bethlehem war weit entfernt,
un’s hatte ewens die weise Herrrn
in der Schul kaa Geographie gelernt.

Sie brachte Myrrhe und Weihrauch mit
und deß net wenig uff jeden Fall;
ze trache hatte se was sell dritt
an dene viele Schachtele all.

Sie brachte sogar, wie besagt die Mär,
en Klumbe Gold un von großer Pracht.
Un Christus war doch so aarm nachher;
wo hat’s der Josef nor higebracht?

Sie brachte’s Jesu zum Angebinn
un hawwe e fromm Gebet gereddt;
un wie se ohne en Leitstern sin
dann haamgekomme: deß waaß merr net.

 Friedrich Stoltze

bin dann mal weg

eines von vielen schönen weihnachtsgeschenken ist der atlas der abgelegenen inseln von judith schalansky (leseprobe). das ist nicht nur ein sehr schön gestaltetes buch, es ist vor allem bestens geeignet zum abdriften und reisen auf der landkarte. zudem sind inselgeschichten einfach ein vielfaches rauer, bizarrer, mysteriöser und eben so ganz anders als festlandgeschichten.

ich habe die lektüre sehr genossen, parallel war meist noch google earth zum drüberfliegen, drehen und wenden offen (auch so ein tolles ding mit dem man mich für mehrere stunden matt setzen kann). und natürlich noch das ganze labyrinth von wikipedia-artikeln, die mich noch viel weiter weg führten als der eigentliche inhalt des buches.

da gibt es beispielsweise zu entdecken:

das ist noch lange nicht alles (aber für heute reicht es)…

das bild stammt übrigens von meiner eigenen robinsonade auf labuan.

eipaett

soso, ipad also…

ich stehe ja grundsätzlich den produkten mit dem apfel drauf ganz wohlgesonnen gegenüber. der laptop arbeitet immer noch flott und zuverlässig, der ipod dient als multimediacenter und praktisches minibüro für unterwegs.

doch bei der neuesten ankündigung bin ich noch sehr skeptisch. nicht nur die namenswahl scheint ungünstig zu sein (siehe video, auf das mich c. aufmerksam gemacht hat), das konzept selbst hat sicher viele apfelliebhaber enttäuscht. das gerät scheint ja nicht gerade viel mehr zu können als der ipod t(o)uch, alles ein wenig größer, aber beileibe kein ersatz für einen gescheiten computer. für das geld bekommt man auch ordentliche netbooks. die haben dann wenigstens noch ein paar anschlussbuchsen…

bleibt als „innovation“ der elektronische buchladen. dies und die nutzung von aufbereiteten inhalten klassischer printmedien ist wohl das eigentliche ziel des geräts mit dem etwas größeren display. apple ist hier nämlich ausnahmsweise mal nicht erster, wobei das kindle schon irgendwie scheiße ausschaut.

man könnte nun eine lange diskussion darüber entfachen und spekulieren, wie der kampf print vs. online ausgehen wird. ich bin unschlüssig, einerseits hat das zeitungssterben ja schon begonnen (mit der netzeitung hats aber auch eine reine onlinevariante erwischt) , manche magazine gibt es nur noch am rechner zu lesen (siehe galore). andererseits ist für mich das lesen längerer texte und informationen abseits der rss-feeds automatisch mit der haptischen wahrnehmung des knitternden papiers einer zeitung, des festen buchdeckels eines dicken wälzers verbunden. zudem liebe ich das bunte bücherregal im wohnzimmer.

bei akustischen medien gibt es diesen sich materialisierenden aspekt weniger stark, ausgenommen vielleicht vinylplattensammlungen. musik ist schon immer in ähnlicher weise an unser ohr gedrungen. mit dem walkman konnte man zwar weniger mit sich rumtragen, aber wie auch jetzt immer nur ein lied gleichzeitig hören. der ipod hat sich da gut eingefügt, wurde mitsamt dem geschäftsmodell musicstore zurecht erfolgreich. inzwischen kaufe ich meine musik auch meist gleich als datei, weil ich sie letztlich eh auf den rechner kopieren werde.

ich gebe den zeitungen also weiterhin gute chancen (und abonnements), dass man sie auch zukünftig falten und unter den arm klemmen wird. doch ob sich das ipad ähnlich wie der -pod durchsetzen kann, bezweifle ich stark.

unendlicher spaß

ich hab mich letztlich doch getraut es zu kaufen: das allein schon vom umfang her wuchtige buch unendlicher spaß von david foster wallace.

die empfehlung hörte sich gut an: ein buch, das den „verstand stärkt und das herz praller macht“. ein werk über tennis, drogen, filme, depressionen, kaputte familien… 1547 seiten, 387 fußnoten. die schilderung einer gesellschaft in naher zukunft, die die zeitrechnung an konzerne verkauft hat, was zu so schönen bezeichnungen wie „jahr der inkontinenz-unterwäsche“, „jahr der dove-probepackung“ oder „jahr des tucks-hämorrhoidensalbentuchs“ führt.

ich hab schon ein paarmal herzlich gelacht. den aktuellen stand meines vorankommens gibts fortan rechts oben.

traumstunde

ich sitze ein wenig müde in der sonne und denke über das nach, was die letzten tage so alles passiert ist. da stoße ich doch auf ein liebgewonnenes kinderbuch, das (nach einer marginalen manipulation) zwei irgendwie passende geschichten enthält…

(nicht alle werden es verstehen, aber ich hoffe, dass die insider sich genau so freuen wie ich, als ich es entdeckt hab…)